Chemnitz den 10.04.2015

 

Hier ein Einblick über unsere Zellen- Ausstellung über der Reichenhainerstr.236, Hohenschönhausen, Rummelsburg und Kaßberg

in Zelle 4 auf den Kaßberg.

 

Nochmals ein Dankeschön an den Studenten und Frau Veronika Scholz Projektleiterin

 



10.11.2014

Herr Gollnick hat zum 25 jährigen Jahrestag des Mauerfall im Gymnasium Grafing bei München in Bayern als Zeitzeuge ein Vortrag gehalten und das vor ca 135 Schüler und Lehrer. Nach dem Vortrag gab es sehr viel Beifall.


Wir waren am 2.August 2014 in Berlin

Wir fordern einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Menschen, die für ihr mutiges Verhalten in Diktaturen um Leben und Lebensglück gebracht wurden, die schmerzhafte Einschnitte in ihrem Lebensweg hinnehmen mussten oder auf andere Weise benachteiligt wurden, anerkannt und gewürdigt werden.

Das Interesse der Mitbürger und Berliner Gäste war sehr groß für unser Anliegen, selbst die Polizei unterstützte dies.


Liebe Freunde der Gerechtigkeit für SED Opfer,

am 17.Juni 2014 fand auf dem Gelände der ehemaligen MFS Untersuchungshaft Kaßberg (Karl-Marx Stadt) eine feierliche Enthüllung einer Gedenktafel die an die Geschichte und die Rolle des Untersuchung's und Freikaufgefängnisses des SED Regimes statt.Ein Einrichtung als Gedenkort ist ebenfalls vorgesehen.Dieter Gollnick und Mike Mutterlose als Initiatoren der Gruppe für Gerechtigkeit von SED Opfern nutzten die Möglichkeit mit dem Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten Siegfried Reiprich nochmals auf die Gedenktafel für die Strafvollzug in der Reichenhainer Strasse 236 einzugehen.

Das Ergebnis dieses Gespräches ist, dass wir ab sofort zusammen mit Unterstützung von Herrn Reiprich und der Sächsischen Landesregierung dafür arbeiten, noch in diesem Jahr eine Gedenktafel für die Opfer des SED-Regimes von 1969-1989, die dort unter menschenunwürdigen Haftbedingungen eingesperrt wurden, anzubringen und damit diesen Ort  (Haftarbeitslager/Strafvollzugsanstalt der DDR) als Tatort des SED Unrechts auch für die Nachwelt kenntlich zu machen.

Wir starten daher den Aufruf, uns alle erdenklichen Informationen schnellstmöglich zur Nutzung der Strafvollzugsanstalt Reichenhainer Strasse 236 mit genauen Angaben wie zum Beispiel das Jahr der Inhaftierung, Paragraphen, Namen von Mithäftlingen, Arbeitsstätte in der Haftanstalt, Unterbringung, Art der Repressalien, Vorkommnissen von Misshandlungen, Todesfällen usw, an Dieter Gollnick zu senden ( gjudo@t-online.de ).

Vielen Dank für Eure Unterstützung

Gruppe Aufarbeitung der SED Diktatur, Gerechtigkeit für SED Opfer und Gegen das Vergessen

Dieter Gollnick
Mike Mutterlose

Verwaltungsgebäude
Verwaltungsgebäude

Am 29.11.2013 wurde ich eingeladen von der Anstaltsleiterin Eike König- Bender in der JVA Reichenhainerstr. 236 in Chemnitz damals Karl-Marx-Stadt.

 


 

Nach einem Vierteljahrhundert noch jede Menge offene Fragen
Dieter Gollnick wollte raus aus der DDR - und landete hinter Gittern. Nun kehrte er zum ersten Mal in die Anstalt an der Reichenhainer Straße zurück, in der er einst einsaß.
"Das... hat es bei uns alles nicht gegeben." Dieter Gollnick verfolgt aufmerksam, was ihm Eike König-Bender, die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Chemnitz, während eines Rundgangs durch den vor einigen Jahren aufwändig sanierten Haftkomplex an der Reichenhainer Straße präsentiert. Farbenfroh gestaltete Flure im Hafthaus, Freizeitbereiche mit Tischtennisplatten und Tischfußball, Sport- und Kreativangebote im Erdgeschoss - einem Bereich, der Dieter Gollnick als "Bunker" noch dunkel in Erinnerung geblieben ist.

1987 war der heute 57-Jährige für mehr als ein halbes Jahr hier inhaftiert. Verurteilt zu einem Jahr Freiheitsstrafe, wegen "Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit". Sein Vergehen: Er hatte, um nach einem Berufsverbot seine beantragte Ausreise in den Westen zu beschleunigen, in Berlin am Grenzübergang Checkpoint Charlie einem Grenzer seinen Personalausweis übergeben und geäußert, er möchte die DDR verlassen. An Ort und Stelle wurde Gollnick festgenommen, gut ein Vierteljahr später stand er vor Gericht.

Die Reise nach Chemnitz ist für den einstigen Berliner, der seit mehr als 20 Jahren in Bayern lebt, eine Reise in die Vergangenheit. Der Blick aus den vergitterten Fenstern des neunstöckigen Gebäudes, hinweg über Altchemnitz, ist ihm noch gut vertraut. Anderes hingegen ist verschwunden. Die "Kaue" genannte Schleuse etwa, durch die hindurch die Gefangenen zu ihren Arbeitseinsätzen geführt wurden, der frühere Speisesaal, die Zellentüren mit den für Haftanstalten ungewöhnlich großen Glasscheiben.

Einladung vom Ministerium

Dass er vom Sächsischen Justizministerium eingeladen wurde, die Anstalt zu besuchen, in der er einst selbst einsaß und die heute als zentrales Frauengefängnis für Sachsen und Thüringen dient, das hat nicht zuletzt mit seinem beharrlichen Engagement für ein Zeichen der Erinnerung zu tun. Eine Gedenktafel, so Gollnicks Anregung, sollte im Außenbereich der Anstalt darauf hinweisen, dass dort zu DDR-Zeiten keineswegs nur Kriminelle eingesperrt waren, sondern eben auch politische Gefangene wie er. "Davon wissen viele bis heute nichts", schildert er seine Erfahrungen.

Für sein Ansinnen hat Dieter Gollnick bereits von vielen Seiten Zuspruch erhalten, nicht nur von Schicksalsgefährten, die ebenfalls wegen politischer Vergehen in Karl-Marx-Stadt inhaftiert waren. Selbst Ministerpräsident Stanislaw Tillich ließ unlängst ausrichten, er begrüße das "Engagement, die Erinnerung an die Menschenrechtsverletzungen des DDR-Regimes wach zu halten". Diverse Ministerien und Behörden des Freistaats beschäftigten sich in den vergangenen Monaten mit dem Vorgang, Abgeordnete aus Sachsen und Bayern schalteten sich ein, im Sächsischen Landtag richtete der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Karl-Heinz Gerstenberg, eine sogenannte Kleine Anfrage an die Staatsregierung.

Trotzdem, so Dieter Gollnicks Eindruck, kommt er nicht recht voran. Immer wieder erhält er dieselbe Auskunft: Die Anbringung einer Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft sei im Einzelfall denkbar, sofern diese von der zuständigen Stiftung Sächsische Gedenkstätten initiiert und befürwortet wird. Dort zeigt man sich durchaus aufgeschlossen, bittet aber um Geduld. "Der bisherige Forschungsstand gibt eine Empfehlung noch nicht her", erläutert Stiftungs- Geschäftsführer Siegfried Reiprich.

Kaum Informationen verfügbar

Auch Dieter Gollnick muss bei seinen eigenen Recherchen immer wieder feststellen, dass über die DDR-Geschichte des Strafvollzuges an der Reichenhainer Straße anscheinend nur wenige Informationen verfügbar sind. Deshalb hat er bei seinem Besuch in Chemnitz nicht nur die eigene Stasi-Akte, sondern auch einen ganzen Katalog von Fragen im Gepäck: Gibt es noch Fotos aus DDR-Zeiten, die einen Eindruck vermitteln, wie es dort damals aussah? Unterlagen, die Aufschluss darüber geben, weswegen die Gefangenen verurteilt worden waren? Was ist mit Krankenakten, Todesfällen, Verhörprotokollen und den Unterlagen der Betriebe, die dort Arbeitskommandos beschäftigten?

Fragen für Erforscher der Zeitgeschichte, die Anstaltsleiterin Eike König-Bender aus dem Stegreif freilich nicht beantworten kann. Sie leitet die Anstalt seit gut einem Jahr, ist nach eigenem Bekunden in Chemnitz zum ersten Mal mit einem solchen Fall konfrontiert. Dass man ihrem Mann den Besuch ermöglicht hat, rechnet Gollnicks Ehefrau Petra den Behörden hoch an. "Für seine eigene Aufarbeitung war das wichtig."